Die 4 möglichen Ladekonzepte im Überblick

Um Elektrofahrzeuge in gemeinsamen Einstellhallen von MFH zu laden gibt es grundsätzlich folgende Konzepte. Massentauglich sind jedoch nur die letzten zwei.

1) Laden auf Allgmeinstrom an Reinigungssteckdose

Die meisten Einstellhallen sind irgendwo ein paar Haushaltssteckdosen montiert, um z.B. einen Staubsauger mittels Verlängerungskabel einstecken zu können. Technisch gesehen können ein paar wenige Autos an diesen Steckdosen langsam geladen werden, was jedoch zu Ärger mit den Nachbarn führt, da der Strom dieser Steckdosen über den Allgmeinzähler läuft.

Man könnte auch ein paare weitere solche Steckdosen mit zusätzlicher Absicherung über den Allgmeinstrom-Zähler installieren. Der Ärger unter den Nachbarn bleibt jedoch und zudem fehlt noch immer ein Lastmanagement, was zu einer Überlastung der Hauszuleitung führen kann.

2) Einzellösungen ab sparatem Stromzähler ohne Lastmanagement

Einzelne Bewohner lassen auf eigene Kosten eine 3-phasige (11-22 kVA) Stromzuleitung ab Elektro-HV auf Ihren Parkplatz installieren. Hierfür wird häufig in der HV ein zusätzlicher Stromzähler installiert. Diese Lösung ist zwar sauber abgerechnet, aber meist nur für 2-3 Parkplätze möglich. Denn erstens können in der Elektro-HV selten mehr als 3 zusätzliche Stromzähler installiert werden, und zweitens reicht die Stromzuleitung des Hauses meist nicht aus, um während den Lastspitzen des Hauses (11-12 Uhr, 17:30-19:00 Uhr) auch noch mehr als 3 Autos gleichzeitig mit 11-22kVA Ladeleistung zu versorgn. Aus diesem Grund nennen wir diese Lösung auch die "Egoisten-Lösung".  Diese Egoisten-Lösung kann jedoch durchaus sinnvoll sein für eine temporäre Übergangslösung von 2-3 Bewohnern, bis eine Gesamtlösung installiert wird. Bei der Bewilligung solcher Einzellösungen ist auf jeden Fall darauf hinzuweisen, dass diese Installationen wieder demontiert werden müssen, sobald eine Gesamtlösung installiert wird. Gleichzeitig sollte spätestens beim Bewilligen einer ersten solcher Einzellösung die Ausschreibung für eine Gesamtlösung konkret in Angriff genommen werden.

Bei Einzellösungen (direkter Abgriff ab Wohnungszähler oder zusätzlichem Zähler ab HV) ist sehr empfehlenswert, pro Parkplatz max 3.7kVA Leistung zuzulassen - also max. 230V 16A. Die verschaffte etwas zusätzliche Zeit für eine Gesamtlösung.

3) geschlossene Gesamtlösung: konventionelle Ladestations-Systeme

Dies ist die zurzeit (2019) häufigste Form von Ladelösungen in grösseren Einstellhallen. Hierfür gibt es diverse Produkte, welche das Lastmanagement und die Abrechnung mehr oder weniger gut im Griff haben. Es gibt auch ein paar wenige Produkte, welche diese Aufgaben hervorragend meistern. Alle diese Systeme bestehen aus Wallboxen, Ladelsäulen, Ladestationen, etc. welche Absicherung, Ladegerät, Lastmanagement, Elektronik, Software, etc. enthalten und über ein in sich geschlossenes System miteinander kommunizieren (Funk, WiFi, Netzwerk, Datenbus, etc.).

Bei diesem Konzept muss man sich für einen konkreten Typ von Ladestation / Ladeläule entscheiden. Auf allen zu installierenden Parkplätzen muss dieser Typ von Ladestation installiert werden, welcher meist im Bereich von 2000 - 5000 Fr. kostet pro Ladestation. Bei den meisten dieser Ladestationen können zudem nur Autos mit Stecker Typ 2 eingesteckt werden, jedoch kein Haushaltsgerät (Staubsauber, Lampe, eBike, eRoller, etc.). Man erstellt sich damit also für relativ viel Geld eine grosse elektrische Leistung auf den Parkplatz und kann dann nicht einmal einen Staubsauger oder sonst etwas kleines einstecken, was zu entsprechendem Frust führt.

Die flexible Erweiterung eines solchen Systems ist natürlich nur möglich, wenn dieser Typ von Ladestation noch erhältlich ist. Verschwindet dieser Typ von Ladestation vom Markt, was in Verlauf der nächsten 10-20 Jahre durchaus möglich ist, muss meist ein komplett neues Ladesystem auf allen Parkplätzen installiert und das alte System entsorgt werden.

4) offene Gesamtlösung: Trennung von Ladegerät und Stromanschluss (megalog)

InstallationskonzeptMegalog

Bei megalog wird nur bis zur Starkstromsteckdose installiert, welche geschaltet ist (ON-OFF). Auf dem Parkplatz wird ein handelsübliches kleines Elektrotablau (Powerbox) installiert, an welcher die Starkstromsteckdose (CEE16) und eine Haushaltssteckdose angeschlossen werden. In dieser Powerbox befindet sich auch die Absicherung, der Stromzähler, und die Schaltelemente (Relais/Schützen), welche die Starkstromsteckdosen schalten (Bezügerfreigabe, Ladesperre, Phasenwechsel). Die Elektronik und Software für das Lastmanagement und Fernauslesung des Stromverbrauchs wird in einer zentralen Steuereinheit ausgelagert, auf welche alle Powerboxen mittels einem konventionellen Steuerkabel (U72) verbunden werden. Die hierfür speziell entwickelten Aktoren zur Schaltung der 24V-Relais, befinden sich in der Steuereinheit, da pro Aktor mehrere Powerboxen angesteuert werden können. Die Powerbox enthält keine Elektronk und kein Bussystem oder sonstige kurzlebige Komponeten. Alle Elemente der Powerbox konnen von jedem Elektriker repariert/erneuert werden. Auch die Aktor können grundsätzlich durch eine industrielle SPS ersetzt werden, welche jedoch meist eine deutlich grössere Geometrie aufweist und aufwändiger zu programmieren ist. Die Software und Hardware von megalog ist speziell für diese Anwendung optimiert, weshalb sie relativ klein ist.

Das Ladegerät wird an der Starkstromsteckdose einsteckt oder fix angeschlossen und kann somit jederzeit ersetzt werden, ohne die das Lastmanagement oder die Stromabrechnung neu zu organisieren. Das Ladegerät ist nicht Bestandteil der Powerbox und wird vom Nutzer / Mieter organisiert. Wer mit einem billigen Ladegerät zufrieden ist, kommt mit sehr tiefen Investitionen davon. Er kann z.b. das mit dem Auto mitgelieferte einfache Ladegerät nutzen. Auf Wunsch kann auch organisieren wir von megalog Ladegeräte, welche für die Bedürfnisse der einzelnen Nutzer abdecken. Wer ein besseres, lukuriöseres Ladegerät will, kann sich ein solches zulegen und einstecken. Je nach Bedürfnis des Bewohner , ohne die anderen Bewohner finanziell zusätzlich zu belasten.

Dieses offene Konzept erlaubt den Einsatz vieler Arten von Ladegeräten / Ladelösungen:

  • Marken spezifische Ladegeräte / Ladestationen
  • Bereits bestehende Ladestations-Systeme
  • Abrechnung per Münzautomat (z.B. für Besucherparkplätze)
  • Induktions-Ladesysteme
  • Dockingstations, in welche sich das Auto automatisch einsteckt
  • sonstige noch nicht entwickelte Ladekonzepte

Die Steuereinheit kommuniziert intern über standardisierte industrielle Schnittstellen.